Wenn ADHS müde macht: Was hilft gegen Schlafprobleme?
Wer ADHS hat, funktioniert anders - auch bei Schlaf und Erholung: Oft ist man abends aufgedreht, kommt schwer zur Ruhe, morgens dafür matt. Gut ist das nicht. Ein Facharzt erklärt Ursachen und Auswege
Viele Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kennen Schlafprobleme. Die geistige und körperliche Unruhe, die mit ADHS einhergeht, kann den Schlafrhythmus stören. Der US-Psychiater William Dodson erklärt im Fachportal Additude, dass die daraus resultierende Erschöpfung andere Symptome negativ beeinflussen kann.
Doch was sind die Ursachen dieser Schwierigkeiten und welche Maßnahmen können wirklich helfen?
Spätschläfer mit Turbogehirn
Das Gehirn von Menschen mit ADHS ist oft besonders aktiv, selbst wenn es eigentlich Ruhe benötigt. Laut Dodson geben etwa drei Viertel aller Erwachsenen mit ADHS an, dass sie Schwierigkeiten haben, „den Kopf abzuschalten“, um abends einzuschlafen. Wenn sie dann endlich einschlafen, ist ihr Schlaf oft unruhig, und sie wachen müde und erschöpft auf, anstatt erholt zu sein.
Viele erleben einen besonders tiefen Schlaf in den Morgenstunden, was zu einem extremen Aufwachwiderstand führt: „Sie fallen in den 'Schlaf des Todes', aus dem sie sich nur schwer wecken lassen.“
Dodson nennt zwei mögliche Erklärungen: Zum einen könnten Schlafstörungen direkte Ausprägungen von ADHS sein. Eine andere Hypothese ist, dass Menschen mit ADHS ein anderes Zeitgefühl haben, bei dem es nur „jetzt“ und „nicht jetzt“ gibt. Ihre innere Uhr ist möglicherweise nicht auf die gleiche Weise eingestellt wie die von neurotypischen Menschen.
Schlafprobleme können die Symptome von ADHS sogar verstärken. Konzentration, Geduld und Impulskontrolle leiden zusätzlich, wenn der Schlaf gestört ist. Was kann man also tun?
So kann Schlaf trotzdem gelingen
Dodson betont, dass die Verbesserung der sogenannten Schlafhygiene entscheidend ist. Schlafhygiene umfasst alle Bedingungen, die gesunden Schlaf fördern. Er empfiehlt, zunächst allgemeingültige Regeln zu befolgen:
- Das Bett nur zum Schlafen oder für Sex nutzen, nicht als Ort, um Probleme zu wälzen oder zu streiten.
- Eine feste Schlafenszeit und Schlafroutine haben und sich strikt daran halten.
- Tagsüber keine Nickerchen machen.
Besonders wichtig bei ADHS sind zwei weitere Aspekte der Schlafhygiene:
1. Geh ins Bett, um zu schlafen, auch wenn es schwerfällt. Viele Menschen mit ADHS sind abends besonders energiegeladen und produktiv, was oft nicht mit den Verpflichtungen gegenüber Arbeit oder Familie vereinbar ist, die durch Schlafmangel noch schwerer zu bewältigen sind.
2. Kein Koffein spät am Abend. Koffein kann ein ohnehin aktives ADHS-Gehirn noch aufgeregter machen. Zudem wirkt es leicht harntreibend und kann den Schlaf durch nächtlichen Harndrang stören.
Auch Aufenthalte im Freien und Sport können sich positiv auf den Schlaf auswirken.